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Glossar zur Einführung Mittelalter

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E-mail Adresse für Vorschläge  :  i.m.l.heidrich[at]t-online[dot]de

Hinweise zum Glossar, ein interaktives Projekt

Wenn bei der Lektüre der "Einführung Mittelalter" Begriffe auftauchen, die dem Leser/der Leserin nicht oder nicht genau verständlich sind, soll das Glossar weiter helfen. Um den Lesefluss nicht zu behindern, ist es nicht mit der Einführung verlinkt. Es soll auch unabhängig von der Einführung eine schnelle und verlässliche Hilfe sein für alle, die keinen Zugriff auf Fachlexika haben. Folgende hervorragende Fachlexika, die auch weiter führende Literatur nennen, seien denen empfohlen, die Zugang zu größeren Bibliotheken haben:
  1. Lexikon des Mittelalters (10 Bände)
  2. Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte (Herausgeber Erler/Kaufmann; 5 Bände)
  3. Theologische Realenzyklopädie (Herausgeber Krause/Müller, bisher bis T: 34 Bände)
Das Glossar ist vor allem als Ergänzung zu den Strukturkapiteln geplant. Personen, die man leicht in gängigen Konversationslexika nachschlagen kann, soll es nicht aufnehmen. Die Erstellung des Glossars ist ein "interaktives" Projekt, d.h. ich rechne auf Ihre Mithilfe. Melden Sie sich bitte per E-mail, wenn Sie Korrekturen anmelden oder Vorschläge für Begriffe machen wollen, deren Aufnahme Sie für wünschenswert halten. Wenn die Vorschläge in das Projekt "passen", werde ich Ihren Wünschen in angemessener Zeit nachkommen. Informieren Sie sich im folgenden über meine Vorschläge; für jede Buchstabengruppe wurden Artikel fertig gestellt. Weitere folgen.
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Abgaben

Das Steuersystem der römischen Spätantike, beruhend auf Grundbesitz ("iugatio") und Familieneinheit ("capitatio"), das viele Sondervergünstigungen für die Reichen umfasste, ist, soweit die Quellen es erkennen lassen, in den Wirren der Völkerwanderungszeit eingegangen. Was blieb, waren die an den Verkehrswegen (Straßen, Brücken, Pässen, Wasserwegen) zu entrichtenden Abgaben, "telonia" (Zölle), und die Instandhaltungslasten, die die Anwohner für den Unterhalt der öffentlichen Straßen und wohl auch Gewässer zu erbringen hatten ("munera"). Im Frankenreich erwartete der König vom Adel und den Freien Heeresfolge, einschließlich der Stellung von Pferden, Waffen und zumindest einem Teil der Eigenversorgung während der Kriegszüge, sowie regelmäßige Geschenke ("dona annualia" im Karolingerreich). Dazu kam seit der Karolingerzeit der auf dem Grundbesitz liegende Kirchenzehnt. Die unfreien (abhängigen) Bauern hatten an ihren Grundherrn einen Teil der Ernte und der Erträge aus der Viehhaltung als Naturalabgaben zu liefern. Die Umwandlung der Naturalabgaben in Zahlungen von Geldzins setzte seit dem 11. Jh. verstärkt ein, verallgemeinerte sich aber erst im 13. Jh. Einer besonderen Besteuerung unterlagen in allen Ländern Europas die Juden. Während die römisch-deutschen Könige das ganze Mittelalter hindurch über keine allgemeine Steuer verfügten, setzten die englischen und französischen Könige im 14. Jh. eine Besteuerung der nicht-adligen Schichten durch, in England gebunden an das Einkommen und die Zustimmung des Parlaments, in Frankreich teils als Einkommenssteuer (Herdsteuer, "taille"), teils als Folge des Staatsmonopols für den Salzhandel ("gabelle"). Kirchenbesitz und kirchliche Amtsträger blieben steuerfrei. Ganz allgemein verlangten die Städte von ihren wohlhabenderen Bürgern nicht nur Instandhaltungsleistungen für den Mauerbau und Beiträge zur Verteidigung, sondern auch Steuern. Hier entstanden Steuerlisten, und von den Reichsstädten und Reichszollstätten sind auch in Deutschland (seit dem 13. Jh.) Steuern bezeugt, auf die der König Zugriff hatte. Ein die breiteren Bevölkerungsschichten erfassendes Steuersystem entstand in Deutschland jedoch nicht auf der Ebene des Reiches sondern auf der der Territorien. Seit dem 13. Jh. ist die "Bede" o. ä. in vielen Territorien bezeugt; auf territorialer Ebene organisierten die Landesherren die für die Finanzverwaltung zuständigen zunächst bescheidenen Behörden, wie "Kammer" und "Kasten".

Adel

Unterschieden wird zwischen dem geburtsständischen (d. h. von Geburt an durch die familiäre Herkunft vorhandenen) Adel und dem Dienstadel (wegen hervorragender Dienste vom Herrscher verliehen, dann aber in der Regel erblich). Die aus der "Völkerwanderung" hervorgegangenen Reiche kannten alle (das ist heute Forschungskonsens) einen geburtsständischen Adel (über dessen Entstehung viel gerätselt wurde), aus dem die jeweiligen Könige erkoren wurden. Kennzeichen des Adels sind umfangreicher Eigenbesitz (Allod), Waffenrecht, höhere Rechtssicherheit durch die starke Stellung (nicht aber unbedingt durch höhere Gerichtsbußen). Die Töchter aus geburtsständisch adligen Familien waren ebenfalls adlig (auch ohne Eigenbesitz oder Waffenrecht). Vor allem Besitzumfang, Ansehen und tradierter Vorrang unterscheiden den Adel von den "normalen" Freien. Da die Könige aus Adelsfamilien hervorgingen, war die Rivalität zwischen König und Adel eine permanente Möglichkeit, eindämmbar nur durch starke Könige, die möglichst große Adelsgruppen durch verschiedene Mittel an sich banden: Sakralisierung des Königtums, Einbindung des Adels in die königliche Hofhaltung, Versuche zur Etablierung einer Verwaltung und Ämterstruktur, Verleihung von Ämtern und Würden (auch kirchlichen), Integration des Adels ins Lehnssystem, Schaffung eines mit dem geburtsständischen Adel konkurrierenden Dienstadels. Im frühen MA (Beispiele aus dem merowingischen Frankenreich) konnte Freiheit (und Adel) durch Kriegsgefangenschaft vorübergehend oder dauerhaft verloren gehen. Vor allem das Lehnswesen ermöglichte einschneidende Sanktionen des Königs gegenüber dem Adel, wenn diesem Untreue (Felonie) nachgewiesen werden konnte; die Aberkennung von Lehen gegenüber Hochadligen bedurfte jedoch immer nicht nur des Spruches des Königs, sondern darüber hinaus der Zustimmung der anderen Lehnsträger.

Allod (Allodialgut)

Allod ist das Eigengut einer Person oder Familie, das ihr "von Anbeginn" gehört hat, nicht als Amtsgut oder Lehen verliehen wurde und auf das nur sie Zugriff hat; insofern ist das Allod immun, d. h. dem Zugriff des Königs oder seiner Beauftragter entzogen. Gelegentlich ist überliefert, dass bei politischen Prozessen zwar die Lehen aber nicht das Allod entzogen wird (Heinrich der Löwe). Je umfangreicher das Allod, desto älter und stärker ist eine Adelsfamilie.

Christliche Kirchen

Größere Spaltungen der christlichen Kirche riefen zuerst die theologischen Differenzen über das Verständnis der Trinität, speziell der göttlichen und menschlichen Natur in Christus, hervor. Im Verlauf der Bemühungen, sie zu lösen, schichteten sich die östlichen Patriarchate Alexandrien (Ägypten), Antiochia (Syrien), Konstantinopel, Jerusalem neben den westlichen Bischofssitzen Karthago und vor allem Rom als besonders angesehen innerhalb der kirchlichen Hierarchie ab und vom Kaiser einberufene Allgemeine (Ökumenische) Konzilien erwiesen sich als (nicht immer erfolgreiche) Lösungsinstanzen. Nur die wichtigsten Abspaltungen seien hier erwähnt. Die ARIANER, Anhänger des Presbyters Arius von Alexandria, vertraten die Position, dass Jesus Christus, da Gottes Sohn, Geschöpf Gottes und daher Gott nicht wesensgleich sei. Die 325 auf dem Konzil von Nikäa verurteilte Lehre verschwand in den Provinzen des Römischen Reichs nur nach und nach bis zum Beginn des 5. Jh. Ihre Anhänger entwickelten im 4. Jh. eine erfolgreiche Missionstätigkeit, durch die der Arianismus bei den Ostgermanen, vor allem den Goten Fuß fasste. Die arianische Kirche bei den Germanen hatte eine eigene Hierarchie mit eigenen Bischöfen. Erst mit dem Übertritt der Westgoten Ende des 6. Jh. zum katholischen (=allgemeinen) Christentum endete der Arianismus. Die MONOPHYSITEN (griech.: "eine Natur") und die NESTORIANER (nach Nestorios, der aus Antiochia kam und dann Patriarch von Konstantinopel wurde) waren Anhänger von Theologenschulen, die sich von den Arianern absetzten und die göttliche Natur in Christus betonten, wobei die Monophysiten göttliche (stark betont) und menschliche Natur in Christus vereint, die Nestorianer beide Naturen stärker getrennt verstanden. Beide Richtungen setzten sich von Ägypten über Syrien bis Kleinasien in zahlreichen Kirchengemeinden durch, wobei die Monophysiten stärker in Ägypten, die Nestorianer stärker in Syrien verankert waren. Beide Richtungen wurden durch die Konzilien des 5. Jh. verdammt. In den Auseinandersetzungen mit ihnen übernahm der Bischof von Rom die Führung und setzte seinen Vorrang nicht nur gegenüber den beiden stark in den Streit involvierten Patriarchaten von Ägypten und Syrien, sondern auch gegenüber Konstantinopel durch. Für die oströmischen Kaiser, deren Mitsprache bei der Einsetzung des Patriarchen von Konstantinopel Tradition war, führte der trotz Konzilsentscheidungen anhaltende Streit zur Schwächung ihrer Stellung. Monophysiten und Nestorianer begrüßten im 7. Jh. die im Vergleich zu den Zwangsmaßnahmen der oströmischen Kaiser relativ duldsame muslimische Vorherrschaft als Erleichterung. Der Monophysitismus setzte sich in der koptischen Kirche Ägyptens fort. Auf ihm baute aber auch die Bewegung der Paulikianer auf, die Kult und Hierarchie gering achteten und aus monophysitischen Vorstellungen die Ablehnung bildlicher Darstellungen des Göttlichen folgerte: eine Wurzel des Ikonoklasmus (=Bilderfeindschaft) im Byzantinischen Reich des 8. und 9. Jh. Die römische Kirche lehnte den Ikonoklasmus stets ab. Durch ihre Missionstätigkeit verankerte sich die nestorianische Kirche im Zweistromland und in Persien und drang entlang der Seidenstraße bis nach Indien, ins westliche China und zu den Mongolen vor, wo nestorianische Christen noch im 13./14. Jh. bezeugt sind. All diese "Ostkirchen", wie auch die sehr früh christianisierten Armenier, gebrauchten ganz selbstverständlich ihre jeweilige Landessprache für ihre durchaus eigenständigen Liturgien. Der in Konzilsbeschlüssen des 5. Jh. formulierte Vorrang Roms wurde durch das Bündnis zwischen den Frankenkönigen und den römischen Päpsten ("papa"=Vater, Bezeichnung für Bischof) und durch die Schaffung des Kirchenstaates Mitte des 8. Jh. bekräftigt. Die immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen um den Vorrang mit dem Patriarchat von Konstantinopel führten erst 1054 zum (bisher) nicht mehr geheilten Bruch zwischen West- und OSTKIRCHE. Die Missionierung von Bulgaren, Serben und Russen war ein Werk der Ostkirche. Die Brüder Kyrill/Konstantin und Method und ihre Schüler schufen die Grundlagen für das Altkirchenslavische. Mit der Übernahme dualistischer Vorstellungen (strikte Trennung zwischen dem Bösen, dem alle Materie zugeordnet wird, und dem Geistprinzip des Guten), die aus dem persischen Manichäismus stammten, und paulikianischer Ablehnung von Kult und Hierarchie entstand innerhalb der Ostkirche mit Zentrum Bulgarien, Makedonien, Bosnien im 10. Jh. die Häresie der Bogomilen. Sie scheint in nicht genauer bekannter Weise und in umstrittenem Umfang auf die erste große Häresie der Westkirche, die der KATHARER, im 12. Jh. eingewirkt zu haben, die sich in der Mehrzahl ihrer Strömungen von christlichen Vorstellungen trennten. Von den Päpsten und dem 3. und 4. Laterankonzil verboten, mit Hilfe der Dominikaner und Franziskaner eingedämmt, durch Inquisitionsverfahren bekämpft und mit der militärischen Unterstützung der französischen Könige Philipp II. und Ludwig VIII. und ihres Adels niedergerungen, hielten sich katharische Gemeinden in Rückzugsgebieten noch bis zum Anfang des 14. Jh. Neben den Katharern entstand in der 2. Hälfte des 12. Jh. im Rhônetal und in Savoyen die Bewegung der WALDENSER (von: Petrus Valdes), die Laienpredigt und Armut forderten, sich nie von den christlichen Grundlagen lösten und trotz aller Gegenaktionen Roms eine eigene Kirche im SO Frankreichs und in Italien aufbauten. Aus ähnlichen inhaltlichen Ansätzen aber unabhängig von dieser ersten "vorreformatorischen" Bewegung erwuchsen in der 2. Hälfte des 14. Jh. in England und Anfang des 15. Jh. in Böhmen neue reformatorische Gemeindekirchen, die sich auf die Lehren der Theologen John WYCLIF und Jan HUS beriefen. Besonders Wyclif rückte alte Streitfragen in den Vordergrund, die im Verlauf des MA mehrfach aufgetaucht waren, aber innerhalb der theologischen Diskussion verblieben und keine Breitenwirkung erzielt hatten, so die Abendmahlslehre (Gottschalk der Sachse im 9. Jh., Berengar von Tours im 11. Jh.) oder die Äußerungen des Kirchenvaters Augustinus zur Prädestination (Gottschalk). Die Lehren des Wyclif und des Hus stießen auf den erbitterten Widerstand Roms, des Konzils von Konstanz und der weltlichen Herren und die religiösen Bewegungen, die sich auf sie beriefen, überlebten die militärischen Auseinandersetzungen letztlich nicht als Kirchen, sondern nur als unterschwellige Vorstellungen und Strömungen.

Codex (Kodex)

Mittelalterliches Buch, handgeschrieben, das mehrere Texte enthalten kann, die von verschiedenen Schreibern oder Schreiberinnen geschrieben sein können oder auch durch Zusammenbindung verschiedener Lagen zusammengefügt sein können. Beschreibstoff ist vom 8. bis 14. Jh. Pergament, d. h. besonders präparierte, von den Fellteilen gesäuberte und geglättete Rindshaut. Besonders fein und kostbar ist Kalbshaut. Schaf- und Ziegenhäute dagegen werden wegen der geringeren und ungleichmäßigen Qualität und wegen der kleinen Ausmaße des verwendbaren Materials nur für Gebrauchstexte, nicht für Codices verwendet. Erst seit dem 14. Jh. wurde Pergament allmählich durch Papier abgelöst. Pergamentcodices waren wegen des teuren Materials und wegen der mühsamen Herstellung kostbar, zählen zum "Schatz" der besitzenden Personen oder (kirchlichen) Institutionen und werden z. B. in Klosterinventaren zusammen mit den liturgischen Geräten aus Edelmetall und kostbaren Stoffen erwähnt. Kodikologie heißt die Wissenschaft, die sich mit den Fragen der Entstehung und Geschichte von Codices (wo, von wem geschrieben, Funktion von Randglossen und Nachträgen, welche "Schreibschulen", Ausleihvermerke etc.) befasst.

Ehe

Die Ehe als eine auf Dauer angelegte Lebens- und Geschlechtsgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau, deren Arbeit und Gütererwerb dem gemeinsamen Lebensunterhalt und dem ihrer Nachkommen dient, bestand und besteht in vielen Gesellschaften. Sowohl in der spätrömischen Antike als auch bei den Germanen bedurfte sie der Zustimmung der Familie von Mann und Frau und tradierter öffentlicher Handlungen für den rechtsgültigen Abschluss. Bei den Römern und im Judentum setzte sich die Einehe durch mit der Möglichkeit nicht allzu aufwändiger Ehescheidung für den Mann ("Scheidebrief"); daneben bestanden in beiden Kulturbereichen auf kürzere Dauer vom Mann unterhaltene Geschlechtsgemeinschaften ("Konkubinate") mit ungesicherten Unterhaltsansprüchen für die daraus hervorgehenden Nachkommen. Die Franken kannten jedenfalls für den Adel mindestens bis zum 8. Jh. die Mehrehe, wobei aber nur die Hauptfrau vollständig wirtschaftlich gesichert war, nicht die Nebenfrau (Friedelehe). Die von der christlichen Kirche vertretene Einehe setzte sich seit dem 9. Jh. durch, einschließlich einer kirchlichen "benedictio" der Brautleute, die neben Morgengabe (vonseiten des Mannes) und Mitgift (vonseiten der Familie der Frau) als rechtsbegründende Akte trat. Während die Frau auch hinsichtlich der von ihr in die Ehe eingebrachten Güter mit der Eheschließung unter die auch güterrechtliche Vorherrschaft des Mannes trat und Verfügungen nur mit ihm zusammen treffen konnte, blieb die Morgengabe in ihrer Verfügung als Absicherung möglicher Witwenschaft. Denn die Berechtigung am Gesamterbe oblag den Kindern, vornehmlich den Söhnen. Ehelösung blieb auch nach der Verchristlichung der Ehe möglich, ist aber durchweg nur auf Initiative des Mannes bezeugt. Der häufigste von der Kirche akzeptierte Ehelösungsgrund war der der (im nachhinein aufgedeckten) zu nahen Verwandtschaft der Eheleute. Das sich entwickelnde Kirchenrecht verfeinerte zunehmend die die Verwandtschaftsgrade betreffenden Bestimmungen. Ein weiterer Ehelösungsgrund war Nichtvollzug der Ehe; bei Kinderlosigkeit wurde dieser Grund häufiger vom Ehemann angegeben. Körperliches Unvermögen wurde zwar angeführt, war aber schwer nachweisbar. Auch Ehebruch (natürlich nur der Frau!) diente als Ehelösungsgrund. Die Kompetenz bei Fragen des kirchlichen Eherechts lag bis zum 11. Jh. beim jeweiligen Diözesanbischof. Erst im Zuge der Kirchenreform zog der Papst sie an sich.

Eid

Der Eid, eine Aussage oder ein Versprechen, verstärkt durch den Gottesbezug und auf Reliquien oder die Bibel geleistet, ist neben dem Ordal (Gottesurteil) das stärkste mittelalterliche Rechtsmittel, das in vielfacher Funktion eingesetzt werden konnte. Im gerichtlichen Einsatz sind der Eid des Beschuldigten mit Eideshelfern bekannt, der Zeugeneid, der Reinigungseid (unter Eid abgegebene Versicherung, dass man unschuldig sei. Im sozialen Gefüge spielte der Treueid und der Vasalleneid eine große Rolle. Verträge zwischen Königen wurden von ihnen oder (seit dem 12. Jh.) von Eidbeauftragten beeidet, ebenso die politisch-militärische Verpflichtung ganzer Heere ("Straßburger Eide" 842). Da der Eid ein germanisches Rechtsmittel war (der christlich-religiöse Bezug kam verstärkend später hinzu), wurde er in der Volkssprache geleistet (Straßburger Eide: altfranzösisch und althochdeutsch). Durch Eide verpflichteten sich die Gildeangehörigen und die Bürger einer Stadt gegenseitig (s. auch "Schwureinung").

Freie

Die sogenannten Volks- oder Stammesrechte benutzen für den Freien den Begriff "ingenuus" und setzen die Freien als Rechtsgruppe von den "Halbfreien" und "Unfreien" ab. Ihre Kennzeichen sind Waffenführung und Eigentum. Nur die Freien können im Mittelalter politisch handeln. Der Status der Freiheit ist bei der Ehe eines Freien mit einer Freien von Geburt an für die Kinder gegeben. Auch Frauen sind, obwohl nicht als waffenfähig angesehen, bei entsprechender Abkunft Freie. Ehen zwischen Freien und Unfreien sind im Prinzip verboten, kommen aber vor und führen grundsätzlich zur Unfreiheit der Kinder (diese folgen "der ärgeren Hand"). Freiheit kann verloren gehen durch Kriegsgefangenschaft, durch Aufgabe, also z.B. Selbstverknechtung, um auf diese Weise Schulden zu tilgen oder um sich den Lasten zu entziehen, die ein Freier zu tragen hat, vor allem der Heeresfolge. Kirchliche Institutionen werden gern als Herren im Fall der Selbstverknechtung zur Lastenminderung gewählt, weil sie sicheren Schutz bieten, den der Unfreie nicht mehr selbst leisten kann. Wie es Abstieg von der Freiheit in die Unfreiheit gibt, so gibt es auch Aufstieg von der Unfreiheit in die Freiheit: dieser bedarf aber immer einer förmlichen Freilassung durch den bisherigen Herrn/die bisherige Herrin. Der Freigelassene ist nicht "ingenuus" (= von Geburt an frei), sondern "libertus". Die soziale Angleichung an die geburtständisch Freien braucht Generationen, wie ja auch Eigentum, ein Kennzeichen der Freiheit, erst über einen langen Zeitraum aufgebaut werden kann.

Fronhof, Frondienste

Als Fronhof ("curtis dominica"=Herrenhof) bezeichnet man in der "klassischen" Grundherrschaft (s. dort) den Herrenhof, von dem mehrere Dörfer der Umgebung in der Weise abhängig sind, dass deren unfreie Bauern (Natural)Abgaben an den dort residierenden Herrn oder dessen Beauftragten (Meier) abführen und außerdem das Herren- oder Salland dieses Fronhofes für den Herrn bearbeiten. Diese Pflug-, Aussaat-, Heumahd-, Erntedienste sind die Frondienste ("Hand- und Spanndienste", d. h. die unfreien Bauern müssen mit Gespannen auf dem Herrenland erscheinen und dort Hand anlegen). Zu den Frondiensten zählen aber außer den Bearbeitungsleistungen auf dem Herrenland, den sog. "gemessenen Diensten" (weil gewohnheitsmäßig feststeht, in welchem Umfang sie zu leisten sind), auch zahlreiche "ungemessene Dienste" (z. B. Holzeinschlag, Lieferung von Holzprodukten,Transportleistungen, Winterfütterung des dem Herrn gehörigen Viehs etc.).

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