Kapitelle der Kathedrale St. Lazare von Autun 12. Jh. (Kapitelsaal)

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Die drei Könige erhalten, nachdem sie ihre Geschenke dargebracht haben, im Traum von einem Engel die Weisung, nicht zu Herodes zurückzukehren.

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Erhängung des Judas

Besitz und alle Rechte: Conservateur de la cathédrale d'Autun/Service départemental de l'architecture et du patrimoine de Saône-et-Loire.

Art des Kunstwerks

Steinmetzreliefs an Kapitellen. Kapitelle, die obersten, verstärkten Teile der das Gewölbe tragenden Säulen, wurden in antiker Tradition oft reich verziert, mit Ornamenten oder seit dem frühen Mittelalter gelegentlich mit Tier- und Monsterdarstellungen oder - häufiger - mit biblischen Szenen, die nicht selten Einblick in das Alltagsleben gewähren. Vgl. auch die Beispiele in "Zur Person", "Benutzerstatistik" und in der Einführung Mittelalter, Einleitung, 5. und 7. Jh.

Kommentar

Autun, die gallo-römische Stadt Augustodunum, lag an wichtigen Verbindungsstraßen vom Saône-Rhônetal (Chalon s. Saône) nach Norden (Auxerre, Paris), Osten (Besancon, Basel) und Westen (Bourges und von dort ins untere Tal der Loire). Der florierende Bischofssitz profitierte auch von den Pilgerzügen. Die im 12. Jh. ausgebaute Kathedrale St. Lazare weist an Portalen und Kapitellen einige der schönsten romanischen Reliefs auf. Während die Steinmetzen der Kapitelle in der Kathedrale oder im Kapitelsaal anonym bleiben, nennt sich der Künstler des berühmten Tympanons ("Gislebertus").

1. Bild: Die "Weisen" ("magi") nach Matth. 2, 1ff, s. vorige Bildseite, werden früh in Anlehnung an Is. 60, 3-6 und Ps. 72, 10f als Könige gedeutet, so auch hier. Dargestellt ist die im Traum erhaltene Weisung nach Matth. 2, 12. Den Engel erwähnt der Evangelist (Matth. 2, 13) erst im Zusammenhang mit der Traumweisung an Joseph. Die Könige schlafen in einem gemeinsamen Bett unter einer Decke. Alle drei tragen schwere Kronen, beim mittleren ist zu erkennen, dass es sich um eine (hochmittelalterliche) Bügelkrone handelt. Bei zweien ist auszumachen, dass die Oberkörper entkleidet sind. - Die Darstellung spiegelt mittelalterliche Verhältnisse: Möbel waren selten; das Schlafen mehrerer Personen gleich welchen Standes in einem Bett, vor allem auf Reisen und Pilgerfahrten, ist oft bezeugt. Natürlich trugen mittelalterliche Könige ihre Kronen nicht im Schlaf, auch nicht im Alltag; dafür waren diese viel zu schwer. Sie gingen vielmehr "unter der Krone" nur bei feierlichen Anlässen. Die Kronen haben hier wie der Stern die Funktion, die Dargestellten zu identifizieren.

2. Bild: Die Erhängung des Judas ist ein Beispiel für die Kombination von biblischer Aussage mit naturalistischen Beobachtungen, tradierten dekorativen Elementen und mittelalterlicher Monsterdarstellung. Die biblische Aussage beruht auf Matth. 27, 5. Die naturalistischen Beobachtungen betreffen die Figur des erhängten Judas: schlaffer, entkleideter Körper, Zunge.

Fragen, die man sich selbst oder anderen stellen kann

Zum 1. Bild: In welchen Details unterscheiden sich die Könige voneinander? Welche Funktion haben die beiden Zeigefinger des Engels? - 2. Bild: Versuchen Sie das Äußere der Teufel zu deuten!

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