Zwei Mosaiken aus der Kirche San Apollinare Nuovo in Ravenna (6. Jh.)

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Die drei Weisen bringen Jesus ihre Gaben dar. Auszug aus dem Foto in: Einführung Mittelalter, 6. Jh.

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Der Palast (PALATIUM) des Ostgotenkönigs Theoderich

Besitz und alle Rechte: Diözese Ravenna-Cervia, zweckgebundene Veröffentlichungsgenehmigung erteilt durch Opera di religione della diocesi di Ravenna.

Art des Kunstwerks

Wandmosaik. Mosaikkunst, das Erstellen von Bildern durch Zusammensetzung kleiner farbiger Steine, wird seit der Antike zunächst für Fußböden praktiziert. Römische Wandmosaike sind seit dem 3. Jh. n. Chr. bekannt. Verwendet wurden zunächst farbige Natursteine, dann in allen Farben glasierte Steine. Die schönsten Beispiele mittelalterlicher Mosaikkunst entstanden in Italien unter oströmisch-byzantinischem Einfluss: in Rom S. Pudenziana (4. Jh.), in Ravenna S. Apollinare Nuovo, Taufkapelle der Arianer, S. Apollinare in Classe, S. Vitale (6. Jh.), in Rom S. Prassede, S. Maria in Domnica (9. Jh.), in Cefalù und Monreale (Sizilien) unter normannischer Herrschaft (12. Jh.).

Kommentar

Ravenna war zwischen 395 und 476 Residenz der letzten weströmischen Kaiser, danach des Königs Odoaker sowie des Ostgotenkönigs Theoderich (seit 493) und seiner Nachfolger bis zur Rückeroberung durch die Truppen des römischen Kaisers Justinian in den Jahren zwischen 535 und 553.

1. Bild: Dargestellt sind nach Math. 2, 1 die drei "Weisen aus dem Morgenland" ("magi ab oriente") an der Spitze eines Zuges von Heiligen, die Jesus, auf dem Schoß Marias sitzend, Gold, Weihrauch und Myrrhen darbringen. Auf einem stilisierten, orientalischen Hintergrund (Dattelpalmen, Lilien) fällt die Kleidung der drei Weisen auf: lange, enge Hosen halten mit Riemen um feste Schuhe, dazu eng anliegende Obergewänder, über denen sie kurze, mit einer Brosche oder Spange gehaltene Mäntel tragen; dazu (phrygische) Mützen (keine Kronen). Die Kleidung ist jedenfalls nicht römisch (weder Tunica, noch Toga, noch Sandalen). Die Kleidung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die adliger Ostgoten ("ab oriente").

2. Bild: Darstellung des von den Ostgotenkönigen in Ravenna genutzten Palastes (Bildinschrift: "PALATIUM"). Im aktuellen Zustand des Mosaiks sind die Zwischenräume zwischen den Säulen mit geknoteten Vorhängen gefüllt, doch erkennt der Betrachter auf der ersten und dritten Säule des linken Seitentrakts, auf der linken Säule des Haupttrakts und auf der zweiten Säule von rechts des rechten Seitentrakts (jeweils vom Betrachter aus gesehen) Reste von Hand- und Armdarstellungen. Zwischen den Säulen waren also ursprünglich Personen dargestellt (wodurch das Gesamtbild sicher viel lebendiger wirkte als heute), die nachträglich "ausradiert" und durch die Vorhänge ersetzt wurden: der aus der Antike bekannte Vorgang der "damnatio memoriae", des Auslöschens aus dem Gedächtnis für missliebige Personen. Ausgelöscht wurden hier die mit der Rückeroberung Ravennas durch den römischen Kaiser Justinian besiegten arianischen Ostgoten mit ihrem König. Im Hintergrund der Palastdarstellung sind mehrstöckige Gebäude und die Stadtmauer zu erkennen.

Fragen, die man sich selbst oder anderen stellen kann

Zu Bild 1: Handelt es sich um eine individuelle oder typisierende Personendarstellung? Wodurch entsteht der Bewegungseindruck? Gibt es Unterschiede in der Bewegung bei den drei Personen? Hat die Reihenfolge der drei Personen eine Bedeutung?

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